Wie ich zur Jagd gekommen bin

Eigentlich hätt' ich ein Bub werden sollen. Und so war ich nur mit Buben unterwegs und
hatte ein Holzgewehr statt einer Puppe. Ich bin unter Rehgwichtln, Hirschgeweihen, einer
Gamskrucke und und einem winzigen Hirschkäfergeweih aufgewachsen. Großväter und
Urgroßväter waren Jäger und Wilderer und mein Vater (Holzbranche) brachte ab und zu
Rehe, Fasanen und Hasen mit, welche ihm ins Auto gelaufen waren (der Käfer hatte nie
Blessuren... ) und ich habe ihm immer zugeschaut, wenn er sie "ausgezogen" und zerwirkt
hat und ich war auch sonst viel im Wald mit ihm. Die Hauptbaumarten konnte ich lange
vor Schuleintritt unterscheiden. Er hat Anfang der 70er seine kleinen Parzellen im Baye-
rischen Wald in Mischkultur aufgeforstet und alle haben ihn ausgelacht. Nach "Lothar"
hat er gelacht. Mein Bruder wurde irgendwann Jäger und als ich dann eines Tages einen
Rehbock in seiner Kühlkammer habe hängen sehen, kamen die Erinnerungen hoch und
er ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Wollte gerne einen malen und fragte schließlich auf
jagd.de, ob mir nicht einer Fotos von totem Wild für ein Stillleben schicken könnte. Ein paar
schickten mir was und durch das Malen und Mitlesen bekam ich immer mehr Lust auf die
Jagd. Am Tag der Beerdigung meiner Schwiegermutter (sie hatte den Schein und ging in
Jugendjahren in Westpreußen zur Jagd), beschloss ich beim Genuss eines perfekt zube-
reiteten Hirschsteaks, dass ich den Jagdschein mache. Habe mir heimlich Lehrbücher
besorgt und es Mann und Kindern erst ein paar Wochen später "gestanden" und die
Begeisterung hielt sich in Grenzen. Mein Vater schimpfte mich und prophezeite mir das
Ende meiner Ehe. Gleichzeitig erzählte er mir, dass er früher auch so gerne den Jagdschein
gemacht hätte und dass nie Geld für die Jagd da gewesen wäre; jedoch erfüllte es ihn dann
irgendwie mit Stolz, dass ihm "die Kleine" nachschlägt. Leider hat er es nicht mehr miterlebt,
als ich dann "wirklich" rausgehen konnte. Aber ich weiß, dass er auf mich runterschaut und
aufpasst, wenn ich allein mit dem Hund am Berg unterwegs bin.