Muck ist meine tägliche Dosis. Einer meiner Jagdkurskollegen erzählte mir von einem
Wurf
Schweißhundwelpen
in einem Tierheim, von dem er auf der Suche nach Smirre,
einer immer
noch verschollenen Jagdterrierhündin, erfahren hatte.
Ich fuhr hin und stand
schließlich im Welpenzimmer
inmitten eines herumwuselnden Welpenhaufens. Und trug
meine
Lederhose, mit welcher ich noch
vor einer Woche ein Reh aufgebrochen hatte und
roch entsprechend interessant. Als
ich in die
Hocke ging, zerrte plötzlich einer der Welpen
an meinem langen Schal und ließ nicht mehr los.
Ich nahm
ihn hoch und er leckte mir das
Gesicht und zappelte herum. Ihn und noch eine Hündin,
eigentlich wollte ich eine
Hündin,
nahmen wir mit auf den Flur. Die Pflegerin setzte sie
runter und sie tappte teilnahms-
los herum, während meiner immer noch am Schal zog. Er
war der dunkelste und
kleinste von allen und weil er anscheinend
mich ausgesucht hatte, nahm ich ihn
und hatte somit einen Rüden. Als sich bei den Formalitäten heraus stellte, dass
es jener
mit dem
Nabelbruch war, wollte die Leiterin, dass ich mir einen anderen aussuche.
Aber ich blieb bei ihm.
Im Auto saß er bei meiner Tochter Lilli auf dem Schoß und nagte
zufrieden am mitgebrachten
Rehlauf, bis er schließlich
einschlief. Nach 270 km Fahrt
durch Schnee und Eis wieder in München,
lief er durch die Tür, erblickte sich im Spiegel
und bellte sich an. Dann inspizierte er die Wohnung, fraß
in Sekundenbruchteilen das
mitgegebene Futter, ließ sich
eingehend bewundern und schlief friedlich
auf meinem
Schoß ein.

Zuallererst wollte ich einen Pudelpointer. Dann habe ich Brandlbracken gesehen und
fand diese sehr schön. Irgendwann
begegnete mir dann auf einer Jagd ein Hannoverscher
Schweißhund und nie zuvor hat mich das
Wesen einer Rasse so fasziniert. Sie wirken
sehr
ernst und
ruhig und lassen sich nicht gerne anfassen. Ein Hannoveraner
kommt nicht
freundlich auf einen zu wie ein Retriever. Er
sieht einen so an, dass man auch nicht ohne
weiteres
auf ihn zugeht. Meiner sucht sich die Leute aus. Die einen begrüßt er wedelnd,
während andere wieder von ihm verbellt werden. Es gibt Menschen, die ohne Probleme
ins Auto fassen können und solche, die nicht mal in die Nähe des Autos kommen dürfen.
Gleich am zweiten Tag ist er am Nymphenburger Kanal auf die dünne Eisdecke gelaufen
und
noch am Ufer eingebrochen. Er kennt trotzdem keine Angst vor Wasser. Ein paar
Tage später hat er den ersten Luftballon
zerbissen und es
hat gekracht - kein Problem.
Nach einer Woche schon war er mit auf der Jagd dabei und
machte im Alter von
18 Wochen seine
erste kleine Totsuche. Es waren ungefähr 6 Meter, auf denen er jeden
Grashalm ableckte, bis er schließlich am Reh war und sehr erstaunt dreinsah.
Im Tierheim gab es so etwas
doch nicht!
Zuhause übten wir erst in der Wohnung kleine
Milchschleppen, dann im Hof
Pansenschleppen.
Und schließlich legte ich im Lehrrevier im Forstenrieder Park die
erste
Schweißfährte für ihn. Michl hatte mir eine Decke und Schweiß von einem Reh
mitgebracht und er sollte mal eine 200 m - Fährte
von guten vier Stunden arbeiten.
Draußen im Wald merkte ich dann, dass ich mein Wollknäuel zuhause vergessen hatte
und
so legte
ich an der Forststraße einen großen Ast an den Weg, damit ich den Einstieg
zum Anschuss wieder finden konnte.
Als ich kurz nach 14.00 mit dem Hund wieder an der
Forststraße stand, war der Ast weg und ich fand den
Anschuss nicht
mehr, weil es die
ganze Zeit geschneit hatte. Es war nichts mehr zu sehen. Ich suchte dann
im Wald nach
Spuren von
mir und ließ den Hund einfach frei laufen. Irgendwann fing er zu schnüffeln
und zu graben an und ich sah nach.
Er hatte selbständig den Anschuss gefunden!
Von da an
war es für ihn wie selbstverständlich. Ich konnte ihm kaum den neuen
Riemen
anlegen, war er schon
auf der Fährte und suchte zügig die 200 m zum Fährtenende, wo
unter der Rehdecke eine Dose
mit Fleischwurst
lag, die er dann mit großem Lob dazu
verspeisen durfte.
Ich weiß nicht mehr, wieviele Fährten ich ihm getreten
habe. Irgendwann
machte ich, ich hatte noch nicht mal den Jagdschein,
einen Kurs für Nachsuchenführer.
Am
Ende des Kurses wollte mir der Kursleiter meinen Hund abkaufen. Spätestens da war mir
dann klar, was ich
am Strick habe: Meine tägliche Dosis Glück.